Phoronix hat seine Test-Suite genutzt, um den Speicher- und Stromverbrauch verschiedener aktueller Desktops zu vergleichen. Die ermittelten Ergebnisse müssen aber differenziert betrachtet werden.
Der "Power & Memory Usage"-Test wurde durchgeführt, um zu ermitteln, ob LXDE und XFCE ressourcenschonender sind als Gnome und KDE. Dabei kam auf den ersten Blick heraus, dass KDE besonders viel Speicher und Strom verbraucht. Die Desktops wurden dazu in ihrer Standard-Installation auf Ubuntu getestet. Die Werte sind aber mit Vorsicht zu betrachten.
So ist zum Beispiel das Messen des Speicherverhaltens von Applikationen nicht-trivial, exakte Messungen erfordern eine Menge Aufwand. Hintergrund ist unter Anderem, dass viele Applikationen sich den Speicher teilen - gerade bei KDE wird das massiv genutzt. Nur die wenigsten Programme können diesen geteilten Speicherverbrauch sauber auseinander rechnen. "top" und "free" sind zum Beispiel wertlos unter diesen Gesichtspunkten, wenn überhaupt sollte bei so etwas eher "exmap" genutzt werden. Eine genaue Analyse mit Hintergründen findet sich hier.
Aber selbst wenn der Speicher korrekt gemessen wird, muss immer noch geprüft werden, was eigentlich den Speicher belegt: wenn ein Desktop wie Gnome oder KDE viel Speicher belegt beim Start, heißt das vor allen Dingen, dass sie umfangreiche Bilbiotheken laden, die eine Menge bieten - und von anderen Programmen genutzt werden können. Das führt zum Beispiel schnell dazu, dass beim Test einer Speicherauslastung mit mehreren Programmen eine Desktop-Umgebung kaum mehr Speicher braucht, während der Verbrauch anderer Umgebungen in die Höhe schnellt.
Doch selbst wenn diese Punkte berücksichtigt werden, muss beachtet werden, was die Desktops in dem Moment bereit stellen: KDE und auch Gnome werden in heutigen Versionen meist mit standardmäßig aktivierter Indizierung und Verschlagwortung von Dateien installiert, die zwischendurch mal anspringt, mal pausiert. Das kann Ergebnisse massiv verfälschen, wenn es nicht berücksichtigt wird. Auch sind meist Desktop-Effekte aktiviert - dass diese beiden Funktionen nicht ohne Einfluss auf den Verbrauch bleiben, versteht sich von selbst.
Ein Vergleich mit einem Desktop mit deutlich weniger Funktionen ist daher sinnfrei - sonst könnte man auch einen ausgeschalteten Rechner mit einbeziehen, der natürlich der Sieger wäre.
Die Zahlen des genannten Phoronix-Tests sind daher leider nicht zu gebrauchen.
Allgemein kann die Phoronix-Test-Suite bestimmt genutzt werden, um Daten zu ermitteln oder Trends zu erkennen. Das erfordert aber in jedem Fall klar definierte Rahmenbedingungen, eine detaillierte Auseinandersetzung mit den verglichenen Objekten und deren Fähigkeiten und eine wissenschaftliche Analyse der ermittelten Daten. Bei diesem Test fehlt das aber - leider.

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